Intermezzo Teil V, Praxis II
Im letzten Teil habe ich eine Form angedroht, es geht natürlich nur eine Abbildung davon. Hier ist sie.

Sie stellt einen Strömungskörper dar, der Abtrieb erzeugt. Nennen wir ihn Umkehrflügel. Das ist doch ein einfacher Spoiler, könnte man jetzt sagen. Ja, so ist es, aber nicht einfach. Die Form erfüllt mehrere Funktionen.
1. Die "Schiefe Ebene" oben bewirkt, dass die anströmende Luft den Körper herunterdrückt.
2. Die S-Linie an der Unterseite bewirkt, dass die unten strömende Luft länger anliegt als oben. Dadurch ist die Luft unter dem Flügel dünner als oben, erzeugt einen leichten Unterdruck und damit einen Abtrieb.
3. Der obere Luftstrom wird durch eine so genannte Abrisskante gestört. Wir wissen zwar, was die Luft machen soll, aber weiss die Luft das auch? Es kann doch sein, dass bei unpassender Geschwindigkeit untere und obere Strömungslinien gleich lang werden. Dann ist die Wirkung dahin. Eine abreissende Stömung erzeugt keinen Sog mehr, ein Flugzeug würde in Trudeln kommen.
Um das vorab zu beantworten: Die Länge des Körpers hängt damit zusammen, bei welcher Geschwindigkeit er wirken soll.
Die grauen Linien markieren die Gesamthöhe, denn der Körper setzt der wilden Fahrt durch seine Bauhöhe einen gewissen Widerstand entgegen. Aus diesem Grunde wird das Profil in der Formel I als "Flap", als zusätzliches oder herausfahrbares Teil eingesetzt, je nach Reglement. Der Heckspoiler hat ohnehin dieses Profil.
Ebenso bei einem Quartemile Dragster.
Kurzum die Dinger funktionieren. Man kann sie zusätzlich auf das Heck oder vor das Seitenrad setzen.
Wenn ich oberes Bild (Teil IV) und und unteres Bild vergleiche, stelle ich fest, dass das untere in Leserichtung fährt, also falsch herum aus Sicht des Gespanntreibers. Wenn ich es mir gespiegelt vorstelle, wieviel Kreativität brauche ich dann noch, um darin ein ganzes "Beiboot" zu erkennen? Hat´s gschnackelt?
Im ersten Moment sieht es nicht unbedingt schön aus, aber auch da bin ich leider etwas spät dran, es gibt nämlich bereits ein Modell, das sich dieser Idee sehr nähert und ganz attraktiv ist:
Der SideBike Kyrnos. Er ist nicht so konsequent S-förmig auf der Unterseite, aber die untere Strömungslinie läuft länger als die Obere. (wenn sie nicht am Rahmenrohr abreisst)
Leider ist er sehr breit und schwer, so dass selbst die 92PS XJ900, für die er konzipiert ist, daran zu knabbern hat. Aber insgesamt erfüllt der Körper alle Voraussetzungen für gesundes Fahren: zunehmend stabiler. Der Rest ist Styling. Mit einer Schürze unten und einer interessanten Lichtkante auf der Seite sieht das Teil gleich viel schöner aus. Könnte klappen!
Mein Kollege Stefan Metzger hat beim Tornado oben das Einstiegsloch mit einer klappbaren Scheibe geschlossen, wodurch sich die Diskussion aus Teil IV erübrigt. Gut gelöst.
Jetzt wollen wir doch mal sehen, was nächstes Jahr an neuen Seitenwagen vorgestellt wird, dann wissen wir, wer alles mitliest.
Ende des Dramas CC