Erfahrungsbericht "Gespanntraining"

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Erfahrungsbericht "Gespanntraining"

Beitragvon Tigris » 25. April 2006 12:04

Wie versprochen nun mein Erfahrungsbericht zum Gespanntraining am letzten Wochenende.


Nachdem ich in den letzten 18 Monaten - seitdem ich mit dem Gespannfahren begonnen habe - knapp 30.000 km mit dem BMW Gespann abgerissen habe, gehoerte ich eigentlich nicht in die Zielgruppe der Veranstalter, des Bundesverbandes der Hersteller und Importeure von Kraftraedern mit Seitenwagen e.V. (BVHK). Der Lehrgang richtet sich grundsaetzlich an Fahrer, die entweder ganz frisch mit dem Gespannfahren angefangen haben oder an solche Fahrer, die vor der Investition in ein Gespann erst einmal testen wollen, ob ihnen das Gespannfahren zusagt.

Darueber hinaus praesentieren die Mitglieder des BVHK natuerlich auch ihre Gespanne. Eins vorweg: Man konnte sich mit jedem der anwesenden Hersteller (und es waren einige anwesend: Als Beispiele seien mal Falk Hartmann, Horst Hartmann (HGT), Uli Jacken (Side-Bike), Volkmar Prietz (Motek), Uwe Schmidt - und das sind bei weitem nicht alle) ueber seine Gespanne unterhalten und auch Verkaufs- bzw. Kaufgespraeche fuehren. Allerdings hatte ich zu keinem Zeitpunkt das Gefuehl, dass es sich bei dem Lehrgang um eine Verkaufsveranstaltung handelte. Das habe ich als sehr positiv empfunden.

Die Mitglieder des BVHK stellen fuer den Lehrgang ihre Gespanne zur Verfuegung. Das reichte in unserem Fall vom MZ-Gespann ueber eine altes Goldwing Gespann und verschiedene BMW Gespanne (R und K) bis zum Honda Endurogespann und der Yamaha Commanche. So konnte man wirklich mal die verschiedensten Gespanntypen fahren.

Insgesamt haben 21 Fahrer an dem Lehrgang teilgenommen, die in drei Gruppen a sieben Personen aufgeteilt wurden. Die Maximalteilnehmerzahl fuer den Lehrgang ist auf 30 Personen (drei Gruppen a 10 Personen) begrenzt. So hielten sich die Standzeiten insgesamt in Grenzen.

Der eigentlich Lehrgang dauert 1,5 Tage. Samstag von 09.00 bis 17.00 Uhr, Sonntag von 09.00 bis ca. 12.30 Uhr (danach noch Mittagessen und Verabschiedung).

Die drei Gruppen verteilten sich jeweils auf drei Sektionen. Am Samstagvormittag startete eine Gruppe mit der Theorie, die zweite mit Kreisfahrten rechts und links herum, die dritte Gruppe mit Praezisionsuebungen (Seitenwagenrad durch zwei Latten steuern) und Uebungen zur Gewichtsverlagerung. Bis zum Mittagessen wurden die einzelnen Stationen dann durchgetauscht.

Nach dem Mittagessen wurden die drei Sektionen geaendert. Auf dem Praezisionsparcour kam ein enger Slalom dazu, ausserdem ein angeschraegter Balken, ueber den mit dem Seitenwagenrad treffen sollte. In der Kreisbahn wurden Bremsuebungen gemacht. Dazu flogen dann schon mal kleine Pylonen durch die Gegend. Nachdem die Theorie durch war, wurde als dritte Sektion ein Fahrparcour aufgebaut, wo es darum ging, bei etwas hoeherer Geschwindigkeit (max. im dritten Gang) moeglichst praezise und fluessig zu fahren. Spaeter wurden auch hier noch Bremstests durchgefuehrt, um die verschiedenen Bremssysteme mal kennen yu lernen.

Am Sonntagmorgen wurde dann der Praezisionsslalom in etwas veraenderter Form gefahren, die Kreisbahn wurde zur Acht und spaeter zu einer engen Kreisbahn, um die man rechtsherum das dritte Rad heben und links herum ordentlich driften konnte. In der dreitten Sektion wurde ein komplett neuer Fahrparcour aufgebaut, den es auch moeglichst fluessig (nicht zu verwechseln mit moeglichst schnell) zu fahren galt. Schwerpunkt war hier die Bestimmung der richtigen Geschwindigkeit vor der Kurve.

Nach dem Mittagessen am Sonntag gab es dann die Verabschiedung und ein Teilnehmerzertifikat fuer alle Teilnehmer.

Mein Fazit: Auch wenn ich nicht zur richtigen Zielgruppe gehoerte, mir persoenlich hat der Lehrgang in Sachen Handling viel gebracht. Auf der anderen Seite habe ich festgestellt, dass ich inzwischen viele Sachen schon unbewusst richtig mache und dass sich Fehler einstellen, wenn ich versuche, ueber bestimmte Fahrmanoever nachzudenken, bevor ich sie durchfuehre. Einziges kleines Manko aus meiner Sicht: Die Didaktik der Moderation koennte bei einigen Moderatoren deutlich verbessert werden. Wenn man sich aber bewusst macht, dass es sich nicht um ausgebildete Moederatoren gehandelt hat, die das Training durchgefuehrt haben, dann war das durchaus OK. Alles in allem kann ich den Lehrgang nur positiv beurteilen. Und zu allem Ueberfluss hat es auch noch einen Riesenspass gemacht :grin:


~~~~~Kleiner Nachtrag~~~~~
Ich wuenschte mir, ich haette diesen Lehrgang schon viel frueher gemacht. Dann haetten sich naemlich bestimmte falsche Verhaltensweisen auf dem Gespann nicht schon so intensiv eingeschliffen und es waere mir mit Sicherheit einfacher gefallen zu lernen, wie ich mit dem Gespann umzugehen habe. Bei naechster Gelegenheit werde ich mal schauen, dass ich nun einen Lehrgang eines anderen Veranstalters (vorzugsweise des Bundesverbands der Motorradfahrer e.V.) mitmache.
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Re: Erfahrungsbericht "Gespanntraining"

Beitragvon motorang » 25. April 2006 13:09

Tigris hat geschrieben:Dann haetten sich naemlich bestimmte falsche Verhaltensweisen auf dem Gespann nicht schon so intensiv eingeschliffen


Falls es nicht zu persönlich ist: welche?

Ich hab mir das alles auch nur angelesen und selber rumprobiert und weiß bis heute nicht ob ich etwas grundfalsch mache ...

Gryße!
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Re: Erfahrungsbericht "Gespanntraining"

Beitragvon tippi » 25. April 2006 13:30

motorang hat geschrieben:...Ich hab mir das alles auch nur angelesen und selber rumprobiert und weiß bis heute nicht ob ich etwas grundfalsch mache ...
...


DITO

Gruss, Jan
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Beitragvon Saro » 25. April 2006 13:38

Hallo Tigris,
auch mich würden solche Fehler interessieren. Was kostet so ein Training?
Gruß
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Früher war ich schrecklich unentschlossen, heute bin ich mir da nicht mehr so sicher!
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Beitragvon Tigris » 25. April 2006 14:10

Ich denke, der dickste Fehler, der sich bei mir eingeschlichen hat, ist die falsche Art und Weise der Gewichtsverlagerung. Ich habe bislang das Gewicht eher ueber den Oberkoerper - durch Abknicken in der Huefte - verlagert, anstatt den Hintern auf dem Sitz des Motorrades nach links oder rechts zu bewegen.

Durch diese falsche Gewichtsverlagerung ist mir auch nie bewusst geworden, dass das Gewicht schon vor dem Kurveneinlenkpunkt verlagert sein sollte, da man bei der Gewichtsverlagerung in der Kurve durch das kurzfristige Anheben des Hinterns, bevor man ihn verschieben kann, seinen eigenen Schwerpunkt und damit auch den Schwerpunkt des Gespanns nach oben verlagert. Insbesondere, wenn man sich bereits in einer Grenzsituation bewegt, ist diese Schwerpunktverlagerung nach oben nicht gerade stabilisierend.

Der eigentliche Preis fuer das Training betraegt 100 Euro. Allerdings habe ich das Training direkt mit Hoteluebernachtung im Einzelzimmer inklusive 2 x Fruehstueck und 2 x Mittagessen gebucht. Dafuer habe ich insgesamt 250 Euro bezahlt. Im Doppelzimmer waeren es 220 Euro gewesen. Begleitpersonen zahlen deutlich weniger, wobei ich da die Preise aber nicht im Kopf habe.

Und ansonsten: Mit Sicherheit kann man auch mit dem Gespann durchs Leben kommen, ohne jemals an einem Fahrtraining teilgenommen zu haben. Allerdings sehe ich es aehnlich wie beim Fahr- und Sicherheitstraining fuer Autos oder Motorraeder: Man ernt dabei nicht unbedingt was Neues, macht sich aber bewusst, dass bestimmte Verhaltensweisen, die man sich so angewoehnt hat, vielleicht doch nur suboptimal sind und man es besser und sicherer machen koennte :lol:
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Beitragvon Michael aus Düsseldorf » 25. April 2006 14:16

Hallo Tigris,
schön das er Dir Spaß gemacht hat.

Der Lehrgang des BVDM ist sehr ähnlich ausgerichtet, wäre für dich also nur eine eventuell unnötige Wiederholung.

Trotzdem ist auch dieser Kurs für Anfänger zu empfehlen. Ich selber habe meine ersten dreirädrigen Versuche vor 20 Jahren bei Edmund gemacht.

Gruß in den Kosovo
Michael
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Beitragvon Tigris » 25. April 2006 14:31

Michael aus Düsseldorf hat geschrieben:...
Der Lehrgang des BVDM ist sehr ähnlich ausgerichtet, wäre für dich also nur eine eventuell unnötige Wiederholung.
...



Ich habe bislang immer nur dienstlich an Fahr- und Sicherheitstrainings fuer PKW teilgenommen. Das dann allerdings mehr oder weniger regelmaessig einmal im Jahr. Und abgesehen davon, dass es tatsaechlich Spass macht: Mit jeder Wiederholung, wie man es richtig machen sollte, schleift sich das besser ein. Unter dem Gesichtspunkt sehe ich es keineswegs als unnoetige Wiederholung an, sondern als Vertiefung des einmal gelernten.

Gruss aus dem Kosovo
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Beitragvon Slowly » 25. April 2006 16:24

Hallo, Tigris, :smt039

Vielen Dank für Deine sehr aufschlußreiche Berichterstattung.
Diese hat mich veranlaßt, mein permanentes "Übungsprogramm" sinnvoll zu erweitern.
Ich habe die Angewohnheit, bei jeder Ausfahrt einen bestimmten Übungsbereich besonders intensiv zu trainieren.
Das macht sogar richtig Spaß.

Gruß,
Slowly :smt039
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Beitragvon Herbert aus Hamburg » 25. April 2006 20:02

Ich hab den Lehrgang auch seinerzeit beim BVDM gemacht und kann sagen es hat sich gelohnt ! Ist jedem zu empfehlen . Und in meiner Umgebung gibt es einige die es sich selbst beigebracht haben und ich kann bestötigen : man lernt schnell die falschen Verhaltensweisen . Die jetzt alle detailiert aufzuführen würde jetzt zu weit fürhen , wäre auch zu trocken.
Gryße...
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Es ist gleichgültig, wie gut man das Spiel beherrscht,
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Beitragvon saahne » 26. April 2006 07:54

meinen lehrgang habe ich vor einer woche beim adac gemacht...der richtet sich allerdings an die gespannfahrer, die schon fahren können und nicht totale anfänger sind......aber geradeaus fahren kann ja "fast" jeder :-D ... aus dem sicherheitstaining habe ich viel gelernt, und weil ich noch in der eingewöhnungsphase bin und mein gespann in grenzsituationen zu beherrschen wissen will, werde ich das training am 23.6 wiederholen .... ich möchte doch meine tochter sicher transportieren :) ...

auf jeden fall weiß ich das mein beiwagen nicht so einfach hochzubekommen ist, wie mein vater mir immer einbleuen will ..echte arbeit
:lol: :lol: :lol: :lol:
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Beitragvon Bernhard Sch. » 26. April 2006 08:14

saahne hat geschrieben:
auf jeden fall weiß ich das mein beiwagen nicht so einfach hochzubekommen ist, wie mein vater mir immer einbleuen will ..echte arbeit


........na ja, saahne,

ist ja auch ein Riesending und schwer, die Sache sieht bei meinem eher "klassischem" Gespann schon anders aus.
Warscheinlich machte Dein Vater mit so ähnlichen Dingern seine Erfahrungen.

Gruß B.

:grin:
Bernhard Sch.
 

Beitragvon saahne » 26. April 2006 08:23

aber das muß ja dann lang her sein ;) ....corda ..da ging ber bw überhaupt net hoch und bei der zeus eher auch nicht... lach..ich tippe auf übertriebene vatersorge :D :D

allerdings das hd-gespann aus meiner kindheit ..da wohl eher
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Beitragvon Subsonic » 26. April 2006 08:53

Moin Tigris,

den BVDM Kurs kannst du dir sparen die Zielgruppe sind Anfänger und Leute die sehen wollen ob das Gespannfahren etwas für sie ist. Habe den BVDM Kurs, ohne einen km Gespannerfahrung zu haben, mitgemacht und da war er genau richtig Edmund und seine Freunde haben die Grundbegriffe des Gespannfahrens in Theorie und Praxis sehr gut rübergebracht allerdings lernst du nicht das Gespann im Grenzbereich zu fahren.

Gruß

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Beitragvon Tigris » 26. April 2006 09:52

Subsonic hat geschrieben:
... allerdings lernst du nicht das Gespann im Grenzbereich zu fahren.




Hallo Subsonic,

da ich ganz eindeutig zu den Fahrern (Solo und Gespann) gehoere, die es gerne gemuetlich angehen lassen, hoffe ich, dass ich niemals in den Grenzbereich komme - dann haette ich naemlich was grundlegendes falsch gemacht. Und um dieses "Fahren im Grenzbereich" von vorneherein zu vermeiden, wird mir wohl auch der BVDM Lehrgang weiterhelfen.
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Beitragvon saahne » 26. April 2006 14:28

Tigris hat geschrieben:..............hoffe ich, dass ich niemals in den Grenzbereich komme - dann haette ich naemlich was grundlegendes falsch gemacht. .........


oder die anderen..wie auch mit dem auto, kann es immer zu grenzbereichen kommen??..muß ja nicht an dir liegen, aber vollbremsen und ausweichen (wo dann der bw hochkommt) ..auch beim kurven fahren sollte man zumindest mal im grenzbereich erfahren haben..ich fand das beim adac sehr beeindruckend :( :(
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Beitragvon Falcone » 26. April 2006 14:41

dass ich niemals in den Grenzbereich komme - dann haette ich naemlich was grundlegendes falsch gemacht


Genau! Und deswegen muss man den Grenzbereich kennen. Den erlebst du als besonnener Fahrer nämlich meist nur, wenn du es nicht vor hast und nicht damit rechnest. Und dann geht es ins Auge!
Den Grenzbereich kennen, damit umgehen können und dann nie wieder brauchen - das wäre ideal ...
Grüße
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Beitragvon Tigris » 26. April 2006 14:50

@saahne
Du hast natuerlich voellig Recht. Und diesen Grenzbereich haben wir natuerlich auch auf dem Lehrgang am letzten Wochenende ganz bewusst gesucht, indem wir die verschiedensten Uebungen auf den unterschiedlichsten (und auch eigenen) Gespannen gemacht haben. Sei es "Beinchen heben" oder auch Vollbremsungen unter wechselnden Bedingungen (mal nur vorne, mal nur hinten, mal alles zusammen, mit klassischen Bremssystemen, mal mit Integralbremsanlagen usw.)

Es besteht fuer mich aber ein ganz erheblicher Unterschied, ob ich in Gefahren- oder sonstigen Ausnahmesituationen in den Grenzbereich meines Gespannes (Motorrades / Autos) komme oder ob ich mich durch meine Fahrweise ganz bewusst in diesen Grenzbereich begebe.

Meine ganz persoenliche Philosophie dazu: Je weiter entfernt vom Grenzbereich ich mich im normalen Strassenverkehr bewege, um so mehr Spielraum bleibt mir, um in Gefahren- und Ausnahmesituationen zu reagieren. Wenn ich bei uns in der Eifel beobachte, wie hart einige Motorradfahrer am Limit fahre, dann wundere ich mich regelmaessig, dass nicht mehr passiert (obwohl ohne Zweifel viel zu viele Motorradfahrer an Sonnenwochenenden in der Eifel auf der Strecke bleiben). Denn da bleibt oftmals kein Spielraum mehr, um reagieren zu koennen.

Natuerlich muss ich mich auf Fahrsituationen im Grenzbereich vorbereiten - das klappt aber keinesfalls im Rahmen eines Tages- oder Wochenendlehrgangs, egal wie gut und intensiv der auch ist. Um eine Handlung ohne Nachdenken abrufen zu koennen (so genanntes unbewusstes Handeln, das sich antrainieren laesst, im Gegensatz zum unterbewussten Handeln, das sich nicht antrainieren laesst) muss ich sie zwischen 1.000 und 5.000 mal wiederholen.
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Beitragvon saahne » 26. April 2006 14:53

....die einstellung finde ich klasse :-D :-D :-D

und du hast natürlich recht..mit einem training ist es da nicht getan ..das muß man üben :)
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Beitragvon Michael aus Düsseldorf » 26. April 2006 15:01

Zum Fahren im Grenzbereich:

Gerade das fahren am Grenzbereich macht für mich das Gespannfahren aus.
Schön ist es das dieser im Gegensatz zur Solo schon bei weit niedrigeren Geschwindigkeiten erreicht ist.
Gasgeben, Bremsen, Lenken schon ist dieser Bereich erreicht.
Bei großen Gespannen durch Leistung, Reifenhaftung oder Beladung, bei kleineren eher durch das Fahrwerk.

Klar beweg ich mich nicht ständig am Limit, es geht ja auch schon mal geradeaus oder ich habe die Kinder dabei.
Übung und viel Erfahrung auf der Straße oder in Lehrgängen ist auf jeden Fall wichtig.
Ich bin bisher in 23 Jahren etwa 450.000 km solo und 350.000 km Gespann gefahren.
Im Grenzbereich fühle ich mit dem Gespann wohler.
Seine Wohlfühlgeschwindigkeit muss jeder selbst herausfinden damit es ihm Spaß macht.

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Beitragvon Michael aus Düsseldorf » 26. April 2006 15:11

upps, da schreib man fleißig und schon ist das Thema drei Beiträge weiter.

Auch ich muss Tigris zustimmen, auch wenn ich es gern etwas schneller mag, Reserven sollten bleiben. Ich kenne auch die Situation in der Eifel und denke das der meiste Spaß der Tiefflieger außerhalb der STVO ist.

Mit einem Gespann ist man auch im legalen Bereich bei den engen kleinen Straßen schnell an der Grenze. Wichtig ist das man dann durch Übung die Situation richtig einschätz und sich und andere nicht gefährdet.

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Beitragvon Nanno » 26. April 2006 16:14

Ich seh das so:

Selbst im Grenzbereich muss genuegend Reserve da sein um die Fehler der anderen Verkehrsteilnehmer auszugleichen, sind allerdings keine anderen Verkehrsteilnehmer da bzw. befinde ich mich in einem Gegenverkehrsfreien Raum (zB Rennstrecke), ist das ausloten der Grenzen eine herrliche Erfahrung. Was nur meiner Meinung nach den meisten Motorradfahrern abgeht, die man dann in den (Unfall-)Statistiken findet, ist die Faehigkeit zu differenzieren, ob die Situation jetzt einen Ausflug in den Grenzbereich zulaesst und die Charakterstaerke zu akzeptieren, dass es heute auf der Hausstrecke mal eben ned "voll" geht.

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Beitragvon Uwe » 26. April 2006 16:34

..ich habe vor ca. 15 Jahren 2x Fahrertrainings (Solo) auf dem Nürburgring mitgemacht. Es war schon beeindruckend wie ein ca. 60-jähriger Instruktor (im übrigen ein Motorrad-Polizist :wink: ) mit meiner alten R 75/6 - und mir hinten drauf - über die Strecke gefahren ist um mir mal die Ideallinie zu zeigen. Nach seinen Angaben war er die 40 Jahre davor jedes Jahr ca. 100 - 200 mal den Ring gefahren - und die ganzen HoKaYaSuDuc..mit 2 bis 3 mal so viel PS haben kein Land gesehen.

Die Übungen (über 3 Tage) haben mir damals sehr viel gebracht - vor Allem, dass ich danach auf Bundes- und Landstraßen nie mehr "richtig" schnell gefahren bin. Da gibt es nämlich keine Streckenposten, keine Ärzte, keine Sanitäter - dafür aber jede Menge Dinge die ich selbst nicht beeinflussen kann (Gegenverkehr, Schmutz auf der Straße, Tiere, ........).

...und vor allem: Ich lebe ganz gerne :wink: :wink: :wink:
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Beitragvon Michael aus Düsseldorf » 27. April 2006 07:34

Es freut mich das wir hier anscheinend alle auf einer Wellenlänge sind. Unser dreirädriges Völkchen hebt sich halt in jeder Beziehung vom "Durchschnitts-Sonntags in der Eifel- Knieschleifer im Gegenvekehr-Motorradfahrer" ab.

Mit den letzten Beiträgen wurde die Schere zwischen Verantwortungsbewußtsein und Spaß am fahren auf den Punkt getroffen.

Gruß aus Düsseldorf
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Beitragvon Shadow-Witch » 28. April 2006 05:32

das alles habe ich natürlich mit großem Interesse gelesen.
und hab auch schon gegoogelt.... aber wo finde ich nu Termine für so ein Training? ADAC, zu teuer :?
Schliesslich will ich meine Enkelin auch heile über die Ziellinie bringen :wink:
Grüße von Gaby
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Beitragvon Tigris » 28. April 2006 07:35

Shadow-Witch hat geschrieben:das alles habe ich natürlich mit großem Interesse gelesen.
und hab auch schon gegoogelt.... aber wo finde ich nu Termine für so ein Training? ADAC, zu teuer :?
Schliesslich will ich meine Enkelin auch heile über die Ziellinie bringen :wink:



Hallo Shadow-Witch,

die meisten Gespann-Trainings sind leider relativ teuer :(

Da es sich normalerweise um Mehrtagestrainings handelt, kommen dann auch noch Uebernachtungs- und Verpflegungskosten dazu. Dazu kommt, dass die meisten Gespanntrainings von kommerziellen Anbietern veranstaltet werden, die das verstaendlicherweise nicht aus reinem Vergnuegen machen.

Ueber das Training des ADAC weiss ich nichts, allerdings bietet der Bundesverband der Motorradfahrer e.V. (BVDM) einmal jaehrlich ein Training in Wermelskirchen an. Darueber hinaus ist der Bundesverband der Hersteller und Importeure von Kraftraedern mit Seitenwagen e.V. (BVHK) zweimal? im Jahr mit einem Anfaenger- und Schnupperkurs (wie ich ihn besucht habe) am Start.

Termine des BVDM (normalerweise im September) muesstest Du auf deren Homepage (http://www.bvdm.de) finden. Die Termine der Lehrgaenge des BVHK wirst Du telefonisch erfragen muessen. Am besten bei Falk Hartmann, dem Vorsitzenden des Bundesverbandes (Telefon 06139-290150).

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Beitragvon saahne » 28. April 2006 07:50

hmmm...dagegen finde ich die 100euro noch ok..

http://www.adac-fsz-westfalen.de/
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Beitragvon Shadow-Witch » 28. April 2006 08:15

das stimmt.....
ich hatte da auch ein Angebot, nach richtigem Lesen: es ist ein Renntraining und sollte 450 Euro kosten :D
aber 100 Euro ist OK.
Jetzt muss ich mir nur noch einen Termin raussuchen.
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Beitragvon saahne » 28. April 2006 08:22

Shadow-Witch hat geschrieben:das stimmt.....
ich hatte da auch ein Angebot, nach richtigem Lesen: es ist ein Renntraining und sollte 450 Euro kosten :D
aber 100 Euro ist OK.
Jetzt muss ich mir nur noch einen Termin raussuchen.


recklinghausen?....da wäre der 23.6.prima... :-D :-D :-D oder wo ist herdorf???
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Beitragvon Shadow-Witch » 28. April 2006 08:24

Herdorf liegt zwischen Betzdorf und Siegen....
aber am 26.6. hab ich meinen Donnerbesen noch nicht :? da müsste ich dann mit der MZ fahren :crybaby:
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Beitragvon saahne » 28. April 2006 08:31

och..schade :( ...hätte man sich direkt getroffen. 8) 8) 8)
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Beitragvon Shadow-Witch » 28. April 2006 08:33

schaun mer mal...
mir haben erfahrene Hasen erzählt, wer MZ-Gespann fahren kann, kann alles fahren, vielleicht überleg ich es mir noch :wink:
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Beitragvon saahne » 28. April 2006 08:36

.....würd mich freuen :D :D :D
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Beitragvon Martin » 23. August 2007 23:10

Zum BVDM Training:
Ich hab' den Lehrgang unbewusst im Richtigen Moment gemacht, nämlich bevor ich mir ein eigenes Gespann zugelegt habe. Damit haben alle Recht, die das für einen Anfängerkurs ansehen: Erstens ausprobieren ob das Dreirad wirklich das ist, was man dachte; und zweitens ausprobieren, welche Fahrwerkskonfiguration einem liegt. Damals hatte der Uwe Schmidt ein K75-Gespann mit kleinem Einsitzer dabei, geringer Nachlauf und Motorradvorderreifen: Das fuhr sich mit zwei Fingern! Toll, wenn man mit einem Beringer bei den geringen Geschwindigkeiten auf dem Übungsgelände glaubt, im Krafttraining zu sein.

Nachdem ich dann ein eigenes Gespann hatte, habe ich beim Trainingscenter Veltheim (Schweiz Aargau, höchstens was für die Süddeutschen unter Euch) ein eintägiges Fahrertraining besucht. Die haben ein richtig grosses Gelände mit allen Einrichtungen und man lernt viel über sich selbst und sein Gespann.
Kosten ca. 200 CHF, von denen 100 von eienem Sicherheitsfond direkt zurückerstattet wurden.

Alles in allem habe ich wohl ohne es zu wissen genau die richtige Reihenfolge und das richtige timing erwischt. Wir sollten das, als "erfahrene" den Anfängern als Vorschlag mitgeben. Denn, wenn sie dann mal hier im Forum landen, sind sie über das Stadium sicher hinaus.

Gruss, Martin
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Beitragvon edefauler » 24. August 2007 05:08

Hallo,

wenn man das so liest und ihr euch über den grGrenzbereich unterhaltet, dann solltet ihr vielleicht auchmal darüber nachdenken auf die Rensstrecke zu gehen.
Nein es ist nicht nur sinnloses Höchstgeschwindigkeitsballern, was man vermuten könnte, ihr werdet auf einmal ganz neue Situationen erleben und euer Gespann noch besser kennen lernen.

Gruss


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Beitragvon Tigris » 24. August 2007 05:10

Martin hat geschrieben:Zum BVDM Training:
...



Hallo Martin,

kann es sein, daß Du das BVHK Training meinst (Bundesverband der Hersteller und Importeure von Krafträdern mit Seitenwagen)?

Der BVDM (Bundesverband der Motorradfahrer) macht zwar auch Trainings (in Wermelskirchen / Schloß Burg), stellt aber keine Gespanne zur Verfügung. Das macht meines Wissens nur der BVHK auf seinen Anfänger- und Schnupperkursen im Odenwald.
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Beitragvon Michael aus Düsseldorf » 24. August 2007 07:41

Hall Tigris und die anderen.
Der BVDM stellt für sein Training in Wermlskirchen sehrwohl Gespanne zur Verfügung. Dies sind überwiegend die Privatgespanne der Instruktoren und auch schon mal Vorführfahrzeuge einiger Händler.

Die Ausrichtung als Anfänger und Schnuppertraining ist wegen der örtlichen Gegebenheiten. Dafür gibt es einen sehr guten Theorieteil, auch über Fahrwerkstechnik.

Ich habe dort vor 20 Jahren den Bazillus von Edmund geimpft bekommen und danach ein Gespann gesucht.

Gruß
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Beitragvon Tigris » 24. August 2007 17:14

Michael aus Düsseldorf hat geschrieben:...
Der BVDM stellt für sein Training in Wermlskirchen sehrwohl Gespanne zur Verfügung. Dies sind überwiegend die Privatgespanne der Instruktoren und auch schon mal Vorführfahrzeuge einiger Händler.
...



Da kannste mal sehen - man lernt nie aus. Ich dachte bislang immer, nur auf dem BVHK-Kurs bekommt man die Gespanne gestellt.

Guter Service vom BVDM (auch wenn ich seit Jahresanfang kein Mitglied mehr bin :) )
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