Rost im Tank

Alle Technikfragen, die in kein Unterforum passen

Rost im Tank

Beitragvon Michael1234 » 7. September 2017 09:34

Hallo,

hatte ja vor rd. vier Jahren einen undichten, weil von innen vergammelten Tank, an meinem VX800-Gespann. Hab ich am Vorabend festgestellt als ich damals zum EGT aufbrechen wollte :(
Das Gespann stand bei einem der Vorbesitzer wohl längere Zeit. Zudem ist diese Problematik (Gefahr von Korrosion im Tank, u.a. aufgrund Zusammensetzung der aktuellen Treibstoffe) m.E. noch nicht immer so bekannt / bewußt - mir bis dahin auch nicht so wirklich.

Ich habe gestern für ne Bastelarbeit mal den Tank auseinandergeflext - seht selbst:
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Gruß Michael
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Re: Rost im Tank

Beitragvon Peter Pan CR » 7. September 2017 15:06

Wasser im Tank ist schon immer ein gravierendes Problem gewesen. Aber seit Alkohol im Spiel ist, wurde es schlimm! Danke dafür, das Du es uns hier mal so richtig krass vor Augen führst.

In Costa Rica hatten wir nur ein paar Monate lang 7% Schnaps im Sprit. Hunderte von Fahrzeugen zerhaute es den Motor. Weil wir eh schon eine extrem hohe Luftfeuchtigkeit in haben, dann dazu auch noch ein hydrophiler Alkohol und die Sache wurde richtig krass. Die Sala IV = Verfassungsgericht verbot daraufhin die Verwendung von Alkohol im Benzin... Unsere Fahrzeuge danken es.
Selber stand ich damals auch mit meiner Jawa auf dem Schlauch...ähm, mit stehendem Motor wegen Wasserglas im Vergaser... mitten in der Wallachei war ich auf einer Brücke ausgerutscht und weil ich den Beiwagen abgebaut hatte, hatte ich die Werkzeuge vergessen einzupacken. Schieben und ein paar km später um Werkzeug betteln war angesagt.

Die einzige wirklich gute Lösung, ist kurz nach dem Fahrzeugkauf einmal gründlich saubermachen und den Tank von innen mit 2 Komponentenharz oder anderen Versiegelungen alles vor dem Schmott schützen. Oft genug gemacht und immer sehr zufrieden damit gewesen.

Was mich stutzig macht ist, das die Ural ständig Wasser im Tank ansammelt und dann in der Ausgleichleitung und den Vergasern auftaucht. Während die Komplettreinigung des W800 Tanks vor 2 Wochen nicht einen Tropfen Wasser ans Tageslicht brachte. Was mag da anders gebaut sein im Tank, das dort kein Wasser kondensiert? (gewollter Überdruck im Tank???)

Du hast offensichtlich vor dem Flexen mit reichlich Wasser gespült. Gut gemacht.
Sven
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Re: Rost im Tank

Beitragvon Stephan » 7. September 2017 18:40

Hm. So Besorgniss erregend sieht das aber nicht aus. An der tiefsten Stelle ist das nun so. Auch bei Tanks die nur „normalen" Sprit gesehen haben und länger standen.


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Re: Rost im Tank

Beitragvon dreckbratze » 7. September 2017 19:29

vielleicht seichts einfach nur rein in deinen russentank.
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Re: Rost im Tank

Beitragvon robby ausm tal » 8. September 2017 06:19

Peter Pan CR hat geschrieben:Was mich stutzig macht ist, das die Ural ständig Wasser im Tank ansammelt und dann in der Ausgleichleitung und den Vergasern auftaucht. Während die Komplettreinigung des W800 Tanks vor 2 Wochen nicht einen Tropfen Wasser ans Tageslicht brachte. Was mag da anders gebaut sein im Tank, das dort kein Wasser kondensiert? (gewollter Überdruck im Tank???)


Besitzt Dein Ural Tankdeckel ein Schloß?
Grüße aus dem Bergischen!

Ich danke allen die zur Sache nichts zu sagen hatten und trotzdem geschwiegen haben.
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Re: Rost im Tank

Beitragvon Zimmi » 8. September 2017 08:19

Peter Pan CR hat geschrieben:Was mich stutzig macht ist, das die Ural ständig Wasser im Tank ansammelt und dann in der Ausgleichleitung und den Vergasern auftaucht.

Ich tippe auch auf Regenwasser. Selbst wenn der Deckel für den Sprit auf dem Weg nach außen dicht ist, in den Deckel ist bekanntlich eine Entlyftung eingebaut. Vielleicht lässt die bei Dir Regenwasser durch?

Grysze, Michael
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Re: Rost im Tank

Beitragvon Peter Pan CR » 9. September 2017 03:00

Gute Idee das das Wasser durch das Schloss im Tankverschluss kommen kann. Bei den Regenschwänzen von Otto, Harvey, Irma, Jose und Konsorten ist so ein Schloss bestimmt ein verkappter Trichter.
Ein Schloss hat der Tankverschuss schon, aber den Schlüssel sieht es wenn überhaupt nur bei der einen oder anderen Inspektion, ob da noch was funktionuckelt und ich gerade die ölflasche in der anderen Hand habe. Tankentlüftung geht an der Irbit Dame durch das Röhrchen direkt unter dem Verschluss und Schlauch nach unten weg...ich mache da mal eine Probe aufs Exempel, ob mit einem Klacks Fett man dem Wasser den Eingang versperren kann. Hoffentlich fängt sie dann nicht wieder an Schluckauf zu bekommen.
Herzlichen Dank für den Tip.
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Re: Rost im Tank

Beitragvon Aynchel » 11. September 2017 08:45

so einen Stahltank vorbeugend alle 2 Jahre eine Phosphor Spülung zu verpassen
verhindert doch viel Ärger und Kosten
iss erstaunlich was für ein Rotz da raus kommt und die Paservierung gibt nen tauglichen Rostschutz



Tank innen entrosten
Grundlagen zur Phosphatierung und Bezug von Säure :
http://www.purux.de/chemikalien/phospho ... ferrerID=7
Die Phosphatierung ist ein Verfahren in der Oberflächentechnik, bei dem durch chemische Reaktionen von metallischen Oberflächen mit wässrigen Phosphatlösungen eine Konversionsschicht aus fest haftenden Metallphosphaten gebildet wird. Wird meist bei Stahl angewandt, kann aber auch für verzinkte oder cadmierte Stähle und Aluminium verwendet werden.
Hauptanwendungsbereiche sind Korrosionsschutz, Haftvermittlung, Reib- und Verschleissminderung sowie elektrische Isolation.
Bei der Phosphatierung erfolgt zunächst ein Beizangriff auf den Grundwerkstoff, bei dem Metallkationen unter Wasserstoff-entwicklung in Lösung gehen. Dann erfolgt die Schichtbildung durch Ausfällung schwerlöslicher Phosphate.
Je nach Art der Lösung kann es sich dabei um Eisen-, Zink-, oder Manganphosphatschichten handeln.
Bei der nichtschichtbildenden Phosphatierung stammen die an der Schichtbildung beteiligten Metallkationen aus dem Grundwerkstoff, die Metallkationen aus der Phosphatlösung sind nicht am Schichtaufbau beteiligt.
Bei der schichtbildenden Phosphatierung erfolgt der Schichtaufbau durch Metallkationen aus der Phosphatlösung, zusätzlich können Metallkationen aus dem Grundwerkstoff beteiligt sein.
Die Phosphatschicht haftet sehr gut auf dem Untergrund und erlaubt durch die mikroporöse beziehungsweise mikrokapillare Schichtstruktur eine gute Verankerung nachfolgender Beschichtungen. Deswegen werden Phosphatschichten sehr oft als Untergrund für Beschichtungen verwendet.
Zusätzlich erschwert sie die Unterrostung an schadhaften Stellen der Beschichtung. Phosphatschichten alleine bieten einen brauchbaren temporären Korrionsschutz, der für das Lagern vor einem nachfolgenden Verarbeitungsschritt oft ausreicht. Zinkphosphatschichten sind Eisenphosphatschichten in der Schutzwirkung überlegen. Der Korrosionsschutz der Phosphatierung kann durch Einölen oder Wachsen verbessert werden.

Praktische Anwendung
Von mechanischen Entrostung bin ich abgekommen, denn die Reste vom z.B. Splitt oder Bleikugeln kriegt man staubförmig kaum ausm Tank, findet man aber noch jahrelang im Vergaser, wo besonders der Staub sein schmirgelndes Unwesen treibt.
Bei 41/42er DR BIG Tankhälfte bleibt immer ca 0,4L im Tank, die man über den Tankdeckel nicht heraus bekommt.
Dabei hilft ein 2m langer 6mm relativ starrer PE Schlauch, den man am Ende einkerbt um hier mit der Pressluft Pistole abzusaugen.
Stichwort Venturi Prinzip. Damit bekommt man den Tank komplett leer. Mit 4 Händen geht das am besten.
Benzinhahn raus, alle Alu Teile weg, Blindstopfen rein, dito Überlauf bzw Entlüftung

Blindstopfen für den Tankdeckel bauen
Korken mit untergelegten Latex Labor Handschuhen eignen sich dafür, genauso Polypropylen.
Alternativ einen Melitta Gefriebeutel auf den Tankstutzen legen und den Tankdeckel mit etwas Kraft draufschrauben. 2 Latex Handschuhe auf den Tankdeckel legen und mit nem Kabelbinder festmachen reicht zur Not auch.
Bei sehr starker Verrostung sollte man ne Vorreinigung machen.
Dazu einfach ne Dose Abflussreiniger kaufen, auf Natriumhydroxid als Hauptwirkstoff achten.
Im Eimer anmischen, es wird dabei heiss, unbedingt PSA tragen !!!
Den Sud in den Tank geben und randvoll mit warmen Wasser auffüllen.
Das ganze ca. 16-24h wirken lassen. Danach gut spülen
80% Phosphor Säure kaufen, Bezugsquelle für Phosphor Säure:

http://www.ebay.de/itm/171574205521?_tr ... EBIDX%3AIT
http://www.amazon.de/Phosphors%C3%A4ure ... B0056K5ZTU

Einen 5 Liter PVC Eimer verwenden, der ist beständig gegen die Säure.
Er sollte nen verschliessbaren Deckel habe, denn das macht die Entsorgung einfacher.
1,0 L davon in 3 L Wasser geben, dabei Handschuhe und Gesichtsschutz oder zu mindestens eine Schutzbrille tragen. Die Säure in kleinen Portionen ins Wasser geben und umrühren, niemals umgekehrt weil:
"Erst das Wasser dann die Säure, sonst geschieht das Ungeheure." https://youtu.be/dTLvpVr0qTI
Den verschlossenen Tank schwenken, mehrfach wenden.
Verkleckerte Spritzer auf der Lackfläche mit Spüle und reichlich Wasser abwaschen.
Den Tank über Nacht ruhen lassen.

Die Säure mit dem Rost Rotz in den Eimer zurück giessen, den Eimer mit einem Deckel verschliessen und mit einem rundum Klebeband sichern.
Die Säure in solchen Kleinmengen nimmt bei uns das Schadstoff Sammelmobil der Kreisverwaltung an.
http://www.schadstoffmobil24.de/schadst ... 5545/19093
Fragt mal bei eurer Kreisverwaltung an wie die das handhaben.
Unbedingt privater Gebrauch ansagen, sonst kostet es Geld.

Nach der Säure Spülung mehrfach mit Wasser ausspülen. Das Spülwasser geht in den Gulli, es neutralisiert sich mit den vorwiegend basische Abwässer der Waschmaschinen.
Die Restpfützen unten in den Tanktaschen abzusaugen. Da nutze ich einen steifen PE Schlauch mit aufgesetzter Pressluft Pistole nach dem Venturi Prinzip.
https://de.wikipedia.org/wiki/Venturi-D%C3%BCse

Anschliessend ne Brennspiritus Spülung, das bricht den Wassertropfen die Oberflächenspannung und verhindert das sie sich absetzen. Die Restpfütze wieder absaugen.

Den Tank montieren, Sprit rein, einen nicht zu kleinen Papierfilter in die Leitung machen.
Den Filter regelmässig kontrollieren.
Wenn man den Tank nicht gleich in Betrieb nimmt, kann ihn dann mit einer 10:1-Mischung Benzin / 2 T Öl ausschwenken, dann ist er mehr als ausreichend rostgeschützt.




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Re: Rost im Tank

Beitragvon Peter Pan CR » 11. September 2017 17:30

Hallo Aynchel,
herzlichen Dank für den Chemie-crashkurs, den ich von einem Elektrikmenschen wie Dich nicht in der Ausführlichkeit erwartet habe.

Mit Geduld und einem Knüppel bekommt man auch die grünen Äpfel vom Baum herunter... (Freie Übersetzung eines hiesigen Sprichwortes)
Ach nee, mit Geduld und Nachforschen bekommt man auch den Rost wieder fest.
Und richtig WICHTIG: PSA = Persönliche Schutzausrüstung und vorschriftsmässige Chemikalienneutralisierung sind ganz wichtig bei diesem Verfahren!!!

Weil das nicht jeder kann und in meinem Land nur von ganz wenigen Leuten auch richtig gemacht wird. Lasse ich in meinem Fall die Finger davon und bleibe bei simplem 2 Komponenten-Harz für Glasfaserverarbeitung. (Ich sollte da mal vorsichtshalber die Tanks von Willies und Jawa mit der neuerworbenen Endoskopkamara inspizieren. Bei denen hatte ich die Harzversiegelung schon vor 23 + 13 Jahren gemacht. Man weis ja nie was da drinnen schon alles sich eingenistet hat. Jedenfalls sicherlich keine Eichhörnchen wie in meinem Horextank. :fiessgrinz: :smt023 )
Nochmals danke sehr.
Sven
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Re: Rost im Tank

Beitragvon Piper Mc Sigi » 11. September 2017 18:03

Kleiner Tip das ganze geht auch mit einer halben Flasche Domestos
und ca vier Liter Wasser ein zwei Tage stehen lassen und danach mit Wassr ausspülen.
Dann mit Zitronensäure und heißem Wasser wieder einwirken lassen und wieder
mit Wasser auspülen. Trocknen lassen und mit Rostumwandler behandeln.
Danch mit Tankversiegelung bearbeiten und schon sollte es passen.
Dauert länger ist aber nicht so gefährlich.
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Re: Rost im Tank

Beitragvon Aynchel » 11. September 2017 20:37

Zitronen oder Salzsäure putzt auch sehr gut
aber es bildet sich keine Schutzschicht
von da her ist mit wässrige Phosphorsäure lieber

ich hab auch schon Domestospackungen mit nem 12v Ladegerät gesehen
der elektrolytische Abtrag bringt auch blanken Stahl zu tage
nur das die verwinkelten unteren Tanktaschen; die ja am meissten Gammel ansetzen, von der Elektrolyse nix abbekommen
von da her halte ich nix von der Variante

das Crem 2K versiegeln ist so das letzte Strohhälmchen vor der Schrottkiste
wenn der Tank eh schon pinkelt wie ein Giesskannenkopf kann man es damit noch mal probieren
die Pampe klebt die Nadelpisser zu

lieber bei Zeit mal die Tank als Prophylaxe mit wässrigem Phosphor ausschwenken und gut ists
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