Boot aus PE Kunststoff

Alle Technikfragen, die in kein Unterforum passen

Boot aus PE Kunststoff

Beitragvon Oldie-Biker » 11. August 2017 03:59

Hallo
Spricht eigentlich etwas dagegen ein Beiwagenboot aus Thermoplast ( PE Kunststoff ) zu bauen.
Lässt sich zwar nicht Lackieren, währe aber da durchgefärbt und in vielen farben erhältlich kein Problem.
Splitterfrei ist es auch.

Gruß
Ralf
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Re: Boot aus PE Kunststoff

Beitragvon Le Triporteur » 11. August 2017 08:44

Moin,
es spricht was dagegen: PE ist nicht benzinfest, da spielt der TÜV nicht mit. Es gibt einen Heeler aus PE der hat aus diesem Grund keine Straßenzulassung bekommen.
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Re: Boot aus PE Kunststoff

Beitragvon Slowly » 11. August 2017 09:17

Hallo, Ralf,

aus meiner Erfahrung für Anwendungen im Industriebereich kann ich für einen Beiwagenbau kein Polyethylen empfehlen.
PE altert durch UV-Belastung (Licht) und wird dann spröde und Haar-rissig.
Auch können an Verbindungsstellen (Schrauben, Scharniere) Spannungsrisse entstehen.
Etwas besser - da wesentlich zäher - könnte das auch sehr preiswerte PP (Polypropylen) sein.
Aber ich würde weiterhin bei einem Duroplast der glasfaser-verstärkten GFK-Verbundstoffe bleiben:

https://de.wikipedia.org/wiki/Glasfaser ... Kunststoff

Auch Kohlefaser-Armierungen (CFK) sind im Kommen.

Viel Erfolg bei Deinem Objekt!

Gruss,

SL 8) LY

PE ist benzinfest!
Die Benzin-Reservekanister sind aus Polyethylen,
jedoch sind sie diffunsiv: gasförmige Benzinmoleküle durchdringen die Kanisterwände: davon wird der verschlossene Kanister nur hohlwangig).
Der Kunststoff PE wird aber nicht davon angegriffen, undicht oder angelöst.

Le Triporteur, kann da eine Verwechslung mit PS (Polystyrol) vorliegen ?
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Re: Boot aus PE Kunststoff

Beitragvon Oldie-Biker » 11. August 2017 19:35

Hallo
Lackieren geht wohl auch.
Hier gibt es die passende Grundierung:

https://www.lackundfarbe24.de/de/Holzla ... -l-Gebinde

Wir haben auf der Arbeit Chemikalientanks mit Säuren bis zu 20m³ Inhalt und die stehen teilweise seit 15 Jahren draussen, bei Wind und Wetter.

Gruß
Ralf
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Re: Boot aus PE Kunststoff

Beitragvon Slowly » 11. August 2017 20:16

Hallo, Ralf,

ich empfehle Dir, diesen Link zuvor aufmerksam durchzulesen.
Es gibt vier Haupttypen PE
mit unterschiedlichen Eigenschaften und
für unterschiedliche Anwendungsgebiete.

https://www.kunststoffe.de/themen/basic ... -pe-644757

Gruss,
Hartmut
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Re: Boot aus PE Kunststoff

Beitragvon rotklinker » 11. August 2017 22:43

Moin Ralf,
Du fragst, was gegen ein PE Boot spricht. Ich weiß nur, was für ein Gfk-Boot spricht:
IMAG0162.JPG

Das Gespann ist über die Bootsnase abgehoben und hat eine 360° Rolle fliegend hingelegt. Landung mit Glück auf den Rädern.
Ich bin kein Physiker und kann nicht berechnen, wieviel Energie beim "Absprung" auf der Bootsnase gelastet haben mag, aber es wird nicht wenig gewesen sein. Der Schaden hielt sich in Grenzen. Gfk ist sehr stabil! Bei PE wär ich mir da nicht so sicher.
Gruß Kay

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Re: Boot aus PE Kunststoff

Beitragvon Crazy Cow » 11. August 2017 23:57

Moin.

Ein größeres Problem als das Material stellen imho die Materialprüfungsrichtlinien dar*. Für Polyesterharz gibt es wegen der Luftfahrt imho eine Aussage über die Haltbarkeit von 30 Jahren.
Andere im Fahrzeugbereich zugelassene Kunststoffe sollten eigentlich eine DOT Kennzeichnung tragen und der Prüfer ist bei der HU ebenso eigentlich gehalten, diese zu sichten und den Kunststoff entsprechend zu begutachten.
Was mir nicht ganz klar ist: die Richtlinien für Zubehör (fernab der beförderten Person.) Packtaschen und Gepäckboxen haben nach Herstelleraussage meist eine ABE und ihre Beladung unterliegt keiner Prüfung. Verwendet werden meist Polystyrol oder ABS Werkstoffe, vlt. auch PE. Wenn vor mir so ein Blechle mit Dachaufbau fährt, mache ich meist einen großen Bogen und mit meinen Packtaschen traue ich mir ehrlich gesagt nicht, über 130 zu fahren. Soll man ja auch nicht.
Polystyrol und ABS werden m.W. als schlagzäh bezeichnet, nicht als schlagfest. Und Slowly, ja Benzinkannister sind schon einigermaßen alterungsbeständig. Wahrscheinlich gibt es keinen festen Wert beim Materialprüfungsamt oder eben Einwände wegen mangelnder UV Beständigkeit.
In Bezug auf GfK müsste man mal die Prüfungen für Epoxiharz sichten. Es liegen da in jedem Fall Zeugnisse für die Verwendung an Windrädern vor. Das Material ist elastischer als Polyesterharz und bestens zur Reparatur von GfK und zur Verklebung von versch. Materialien geeignet. Bindet halt langsamer ab.

* Sviw unterscheiden KBA und TÜV die Verwendung von Kunststoffen an fahrerrelevanten Bauteilen von denen die "nur" die Passagiere betreffen.
Gute Fahrt, Gruß
Olaf

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Re: Boot aus PE Kunststoff

Beitragvon Slowly » 12. August 2017 10:56

Noch eine kleine Randbemerkung zum Polystyrol, da aus eigener Erfahrung:
Beim freihändigen Selbstbetanken aus Kanistern kann schon mal (nicht nur durch Überfüllung) etwas Benzin über- und beiseite-schwappen.
Dann greift man schnell zu einem trockenen, sauberen Lappen und wischt das schnell weg - besonders von dem lackierten Tank.
Wenn man dann den auch nur etwas benzingetränkten Lappen achtlos auf irgendwas Polystyrolisches (BOX, Kiste, Sortimentskasten, Schale) legt,
wird er das oberflächlich anlösen und daran festkleben - sobald trocken.

8)
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Re: Boot aus PE Kunststoff

Beitragvon Crazy Cow » 12. August 2017 17:52

Slowly hat geschrieben:Noch eine kleine Randbemerkung zum Polystyrol, da aus eigener Erfahrung:
Beim freihändigen Selbstbetanken aus Kanistern kann schon mal (nicht nur durch Überfüllung) etwas Benzin über- und beiseite-schwappen.
Dann greift man schnell zu einem trockenen, sauberen Lappen und wischt das schnell weg - besonders von dem lackierten Tank.
Wenn man dann den auch nur etwas benzingetränkten Lappen achtlos auf irgendwas Polystyrolisches (BOX, Kiste, Sortimentskasten, Schale) legt,
wird er das oberflächlich anlösen und daran festkleben - sobald trocken.

8)


Ja, Polystyrol (wurde früher mit 2 "r" geschrieben?) ist mehr so'n Bastelkram. Leicht tief zu ziehen und gut zu verschmelzen. Eisessig, Chloroform, Trichloätylen. ABS ist ja eigentlich eine Weiterentwicklung dessen. Dazu ein Tipp. Wer seine gerissene ABS Vekleidung mit dem Lötkolben reparieren will, kann einen Legostein zum Füllen des Schwundes verwenden.

Aber zurück zum Boot aus K. Spätestens seit es Computer und CAD gibt, ist der Begriff "Wireframing" bekannt. Die PC Töle baut dabei ein Drahtgittermodell aus Strichen.
Nimm Schweissdraht biege ihn wie nötig und veflechte oder verrödele ihn an den neuralgiscehn Punkten zu einem Drahtgittermodell. Man kann dann später mit dem Bunsenbrenner Hartlot drauf geben. Dann Hasenstalldraht drauf gelegt, eingeschnitten und bei gebogen. Dann dat berühmte Pappmaschee, wo man Theater- und Karnevallszeug aber auch Litfass seine Säulen draus baut.
Dann haste erst mal ein trockenes Unikum mit innen und außen. Bisken abplanen und nach Gusto GfK drüber, auch innen und aussen. Gibt ne schön dicke Nilpferdhaut.
Gute Fahrt, Gruß
Olaf

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